Der Prinz kommt
Frühling in Berlin: Nach sieben Jahren ist Prinz Charles wieder in der deutschen Hauptstadt, zum ersten Mal gemeinsam mit Camilla. Im Rahmen einer festlichen Abendveranstaltung erhält er den deutschen Nachhaltigkeitspreis. Ich bin eingeladen, weil komm.passion diesen intensiv unterstützt und für die Nachhaltigkeits-PR gesorgt hat. Aber wie soll man dem Prinz entgegentreten? Der britische Botschafter weiß Rat: „Ladies und Gentlemen, bitte stellen Sie sich in Gruppen zu je 10 Personen zusammen, damit der Prinz möglichst viele von Ihnen kennen lernen kann.“. Und so machen wir es dann, nicht ganz so wohl koordiniert, wie an einer britischen Bushaltestelle, aber es klappt irgendwie.
Prinz Charles und Camilla gehen durch die Menge, schütteln Hände, sagen freundliche Worte und nehmen Lob für Ihr Engagement entgegen. Da geschieht es, der Prinz kommt direkt auf mich zu, mein Blick wandert einen Moment nach rechts und ich schaue genau in die Augen von Iris Berben. Für einen Moment abgelenkt, geht der Prinz an mir vorüber. Ich versuche nachzusetzen, reiße meine Handykamera hoch und rempele Vicky Leandros über den Haufen. Da hilft nur entschuldigen so gut es geht – und das unter den kritischen Augen von Wowereit, über dessen Scheitel Nadja Auermann beinahe hämisch auf uns herunterlächelt. Ich gebe die Verfolgung auf, auch weil der nicht mehr ganz junge Ex-Außenminister und seine im dunkelblauen Ballkleid reizend gewandete Ehefrau mir den Weg abschneiden. Gewusst ist halt gewusst und Erfahrung kann man in solchen Promi-Dingen nicht ersetzen.
Das Deutsche Museum bildet einen wunderbar festlichen Rahmen, doch was hat es inhaltlich gegeben? Tja, der Prinz hat eine lange Rede gehalten, von der ich behaupten möchte, dass kaum einer sie verstanden hat. Das lag weniger an den Inhalten, sondern an der offenkundigen Abneigung des Prinzen gegen jedwede Betonung bei der Satzbildung. Schade eigentlich, denn der Prinz spricht sehr wichtige und überzeugende Dinge an. Beispielsweise bereits jetzt darüber nachzudenken, wie wir durch multinationalen Umweltschutz bei der Rettung des Regenwaldes letztendlich unerhört viel Geld sparen müssen, dass wir nicht später bei der Rettung unseres Planeten aufwenden müssen. Der Prinz sieht selber, dass das schwere Kost ist und sagt dem Publikum ganz offen, dass er es noch einige Minuten weiter quälen müsse, da die Themen zu wichtig seien, auch wenn man schon auf Fisch und Jungbullenfilet warte.
Der Prinz ist dabei vielleicht kein großer Redner, aber hoch glaubwürdig und erhält entsprechend nachhaltigen Applaus. Als Veranstalter hat der TV-Journalist und Event-Experte, Schulze-Hausmann, mit dem Nachhaltigkeitspreis selbst und mit der Gala in Berlin einiges auf die Beine gestellt. Der Prinz und der Promi-Auflauf sind zumindest gute PR und, um in Sachen Nachhaltigkeit Fritz Teufel zu zitieren: „Wenn´s denn der Wahrheitsfindung dient….“.


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