Twittern – ein Muß für die Politik?
Microbloggingdienste wie Twitter bieten auch für die Politik ganze neue Kommunikationsmöglichkeiten. Unter „twittern“ versteht man das Versenden von kurzen SMS-ähnlichen Nachrichten (so genannte Tweets) mit einer maximalen Länge von 140 Zeichen. Nutzen Politiker diesen Dienst, können sie direkt mit den Bürgern in Kontakt treten, ihre Botschaften ungefiltert adressieren und sich mit ein paar privaten Details von ihrer menschlichen Seite zeigen. Solange man ein Netz hat, funktioniert das ganze auch noch in Echtzeit. Aber müssen sich Politiker wirklich in das digitale Gezwitscher stürzen?
62.000 deutschsprachige Accounts
Mit Blick auf die Zahl der twitternden Bundesbürger (laut Webevangelisten gab es im April 09 rund 62.000 deutschsprachige Accounts) werden die 140-Zeichen langen Botschaften sicher nicht die Wahl entscheiden. Auch als Kampagnen- und Mobilisierungstool in den Parteien wird Twitter nur sehr zaghaft eingesetzt. Allerdings greifen die klassischen Print-Redakteure (ja es gibt sie noch) immer wieder News aus den Tweets auf.
Politiker als Vorreiter
Und nicht zuletzt umgibt jeden Twitterer ein Nimbus der Moderne. Allzu lange wird man sich allerdings nicht darin sonnen können. Es ist zu erwarten, dass sich Microbloggingdienste in wenigen Jahren neben den übrigen digitalen Instrumenten von social networks, blogs oder e-mails etablieren. Insofern sollten sich Politiker ruhig ins Netz trauen. Und das machen sie ja auch: Nach Nielsen Media haben sich mehr als ein Zehntel der 612 MdB’s der Twitter-Community angeschlossen.
Politiker stehen immer unter besonderer Beobachtung. Während viele der „normalo Twitterer“ tausende belanglose Tweets schreiben und mit privaten Banalitäten im Netz aufwarten, wird von Politikern aus unerfindlichen Gründen erwartet, dass sie die neuen Kommunikationswege besser beherrschen als alle anderen Nutzer. Das ist sicherlich nicht ganz fair, aber wann ist das in der Politik schon der Fall.
Umso mehr sollten sie ein paar wichtige Regeln beachten, damit Journalisten positiv berichten. Welche das sein könnten, wurde kürzlich auf dem politicamp09 in Berlin diskutiert. Die wichtigsten fünf sind:
Nur wer schnell ist, wird bekannt
Twitter ist Kommunikation in Echtzeit. Das bedeutet, nur wer schnell ist, wird auch wahrgenommen. Ist ein Politiker zu spät, haben andere das Thema bereits besetzt.
Saison Twitterer haben keinen Erfolg
Ob man twittert oder nicht ist eine Art Grundsatzentscheidung. Schnell noch vor der Wahl twittern, um ein paar entscheidende Stimmen zu gewinnen? Das ist zu durchsichtig und funktioniert nicht. Und: Nach einer erfolgreichen Wahl sollten Politiker nicht aufhören, Kurznachrichten zu schreiben. Obama zeigt in diesem Fall, wie man es nicht macht. Ohne Blackberry im Präsidentenamt kann er Twitter kaum noch bedienen.
Follower sammeln reicht nicht
Wie die anderen Twitterer sollten sich auch Politiker für ihre Umwelt im Internet interessieren. Das reine Sammeln von Followern kommt in der dialogischen Welt von Twitter nur begrenzt gut an, gilt es doch gemeinhin als unhöflich. Außerdem schließen auch Journalisten von den Accounts, denen ein Politiker folgt, auf die Person selbst. Anderen zu folgen bietet A) die Chance zu zeigen, wofür man sich interessiert und B) dass man die wichtigen Referenztwitterer kennt (also dass man Experte ist).
Herrsche und teile
Politiker sollten zeigen, was ihnen wichtig ist. Bei twitter heißt dass, auf andere Twitterer oder auf weitere interessante Informationen (z.B. über tiny url) zu verweisen.
Authentizität ist Voraussetzung
Die sicherlich wichtigste Regel: Nur die Politiker, die bereit sind, transparent zu kommunizieren, werden erfolgreich sein. Versuche, Mitarbeiter heimlich für sich twittern zu lassen, sind zum Scheitern verurteilt. Wenn vielbeschäftigte Abgeordnete keine Zeit haben und andere in ihrem Namen an den PC lassen, sollten sie ganz transparent machen, wer Absender der Nachricht ist.


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