VoIP auf dem Handy: Können Netzbetreiber Skype stoppen?
Skype ist die weltweit beliebteste Voice-over-IP-Software. Mit ihr können Skype-Nutzer untereinander kostenlos telefonieren, ins Fest- und Mobilfunknetz werden vergleichsweise günstige Tarife angeboten. Jetzt soll die VoIP-Telefonie via Skype auf mehreren Smartphones ermöglicht werden - zum Beispiel dem iPhone oder dem Nokia N97 . Angesichts immer schnellerer Transferraten für das mobile Internet sowie sinkender Datentarife und Flatrates könnte das den Mobilfunkmarkt revolutionieren. Doch die größten deutschen Netztbetreiber T-Mobile und Vodafone wollen dies verhindern. Sie fürchten insbesondere um Einnahmen aus Telefonaten in ausländische Netze, die im Gegensatz zu Inlandsgesprächen noch sehr ertragreich sind.
Dabei werden die Netzbetreiber an drei Fronten kämpfen müssen: Zum einen gegen die Hersteller der Mobilfunkgeräte. Schließlich wollen die ihre Handys in möglichst großer Anzahl vertreiben, und zwar möglichst in vollem Funktionsumfang. Warum sollte ein Kunde ein Handy kaufen, bei dem er auf eine der zentralen Funktionen verzichten muss?
Zum anderen gegen die Skype-Nutzer. Der homo oeconomicus hat ein natürliches Interesse an Nutzenmaximierung. Entsprechend hoch wird die Nachfrage nach Handys sein, die Skype unterstützen, da Nutzer ihre Telefonrechnung damit nachhaltig senken können, vor allem wenn man viel im Ausland unterwegs ist. Wozu der Druck von Verbrauchern führen kann, zeigt die aktuelle Preispolitik für mobile Datentarife. Während in der Vergangenheit Kunden beim mobilen Surfen in einem Tarifdschungel standen und mit horrenden Rechnungen überrascht wurden, gibt es heute bereits Datenflatrates zu moderaten Preisen.
Und schließlich gegen die EU. EU-Kommissarin Viviane Reding hat bereits signalisiert, gegen die Pläne der Netzbetreiber vorzugehen, Skype zu blockieren. Daher fordert sie “alle Regulierungsstellen auf, gegen Unternehmen rechtlich vorzugehen, die unter Ausnutzung ihrer Marktmacht innovative Dienste ausbremsen wollen.” Sie bezeichnet Skype als technologischen Erfolg, der in Europa nachdrücklich gefördert werden müsse. Dass Reding die Verbraucherinteressen auf dem Mobilfunkmarkt ernsthaft vertritt, beweist die Senkung der Roaming-Gebühren im Ausland: Das Europäische Parlament hatte im April den Plänen Redings zugestimmt.
Drei starken Interessengruppen werden sich die Netzbetreiber also stellen müssen. Doch die gegenwärtige Situation auf dem Markt für Mobilfunkgeräte birgt eine Chance, die T-Mobile und Vodafone zu ihren Gunsten nutzen könnten. Durch die Entwicklung neuer Smartphones verschieben sich die Marktanteile. Nokia bleibt zwar weiterhin Marktführer, muss jedoch bereits Rückgänge vermelden. Neue Hersteller heizen den Wettbewerb zusätzlich an. Dazu gehört nicht nur Apple, sondern auch Unternehmen wie ASUS, die ihr Kerngeschäft um eine Smartphone-Sparte erweitern. Der wirtschaftliche Druck auf die Hersteller von Mobilfunkgeräten nimmt somit zu. Sie könnten sich gezwungen sehen, die Bedingungen der Netzbetreiber zu erfüllen.


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