Alarm: WM-Werbung im Anmarsch

Die WM 2010 in Südafrika rückt näher. Nachdem die Gruppen ausgelost wurden und wir wissen, gegen wen Jogis Jungs ran müssen, steigt bei vielen Freunden und Kollegen die Vorfreude - eigentlich kann es jetzt losgehen. Mit der sportlichen Vorbereitung auf die WM geht auch die der Kommunikationsstrategen aus Marketing und PR einher. Denn im kommenden Jahr werden wieder mal zahlreiche Unternehmen und Marken auf den Zug aufspringen und sich “tolle” Ideen rund um das weltweit zweitgrößte Sportereignis nach Olympia.

Wenn Fußballer direkt als Werbeträger auftreten und dabei auch noch einen Text aufsagen müssen, wird es oft peinlich - Franz Beckenbauer brauchte in den 1960ern “Kraft in den Teller - Knorr auf den Tisch”, um abgeklärt vorm Tor zu sein. Heutzutage sieht es nicht besser aus: Jogi Löw macht seine Spieler mit Pflege-Produkten und ordentlichen Kalauern á la “eng dran bleiben” fit für die WM. Im kommenden Frühjahr werden viele vergleichbare Meisterwerke erscheinen.

Die Kritik an einfallslosen und schlecht durchgeführten Kampagnen richtet sich nicht an die offiziellen Inhaber der Werberechte an der WM - mit relativ langer Vorbereitung stellen sie in der Regel einigermaßen anspruchsvolle Sachen auf die Beine. Es sind die unlizenzierten Unternehmen und Marken, die statt des schmucken WM-Balls Jubilao einen x-beliebigen schwarz-weißen Ball in Szene setzen und dazu markige Sprüche der Sorte “Immer ein Volltreffer” hinterherschieben, werden uns möglicherweise zur Verzweiflung treiben. Der Ball als Symbol war bereits bei der Heim-WM 2006 nicht zu übersehen, nur war es alles andere als ein Alleinstellungsmerkmal, damit zu werben, wie ein Gang durch die Einkaufsregale damals zeigte.

Trotz der Befürchtung, dass ich auch im kommenden Jahr von meinem Toiletten-Papier-Hersteller suggeriert bekomme, mein Allerwertester fühlt sich noch besser an, wenn ein Ball auf der Verpackung prangt, hab ich die Hoffnung nicht verloren. Vielleicht können wir ein Alarmsignal kreieren, das immer dann zum Einsatz kommt, wenn in Brainstormings vermeintlich kreativ auf der WM herumgedacht wird - ich empfehle daher jeder Kommunikationsabteilung wie Agentur die sofortige Anschaffung einer Gelben und Roten Karte für das anstehende WM-Jahr, um diesen Verbrechen am guten Geschmack von vornherein Einhalt zu gebieten.