Social Media Revolution oder Silvester im Marketing Club Düsseldorf
Gestern Abend richtete der Marketing Club Düsseldorf ein Expertenpanel zum Thema “Marketing Revolution - Social Media” aus. Das Expertenpanel um Carmen Hillebrand von Vodafone, Daniela Hinrichs von Xing, Uwe Knaus von Daimler sowie den ehemaligen Handelsblatt-Journalisten Thomas Knüwer diskutierte über Social Media und die Möglichkeiten, Nutzer sozialer Netzwerke in die Unternehmenskommunikation zu integrieren. Man muss die Veranstaltung wohl aus zwei Blickwinkeln beurteilen: Aus Sicht der meisten Anwesenden war es eine interessante wie informative Gesprächsrunde, für die Social Media Mavens, die alles über Live-Streams verfolgten und via Twitter kommentierten, war es eine Wiederholung längst bekannter Argumente und Fakten.
Auf der im Hintergrund mitlaufenden Twitterwall mit dem Hashtag #mcdus wurde eher belächelt, wie “Retro” die Veranstaltung sei, weil all diese Fragen längst vor eins, zwei oder drei Jahren diskutiert wurden - auch die tatsächlich bemerkenswerten, weit übers Knie reichenden, Stiefel von Daniela Hinrichs waren ein heißes Thema. Daran zeigt sich, dass der Marketing Club und seine Mitglieder sich mit dem Thema Social Media in weiten Teilen bislang nicht mal rudimentär genähert hatten. Exemplarisch dafür waren die Reaktionen auf die Keynote von Thomas Knüwer. Die altbekannten Zahlen ratterte er runter: Nutzer sozialer Netzwerke produzieren mehr Content als die größten amerikanischen TV-Stationen und so weiter und so fort. Die Reaktionen im Publikum aber waren erstaunlich und erinnerten mich an Silvester, wenn alle gen Himmel schauen und das Feuerwerk bewundern. Man hörte “Ohs” und “Ahs” und zwischendurch mal ein “Uih”, wenn Knüwer eine weitere Rakete zündete. Zugegebenermaßen hatte das einen wirklichen Lerneffekt für mich: Ich war der Meinung, diese Zahlen gehörten in keine Präsentation mehr bei der Vorstellung des Themas bei Kunden - doch die Reaktionen zeigen mir, dass sie immer noch beeindrucken und werden ab sofort wieder in jeder Präsentation zum Thema Social Media auftauchen.
Was gab es inhaltlich zu berichten? Thomas Knüwer wies mit seinem Wortgeschöpf “Mikrorelevanz” auf ein wichtiges Thema hin, das allerdings aufgrund der merkwürdigen Formulierung eher belächelt wurde. Dabei ist das der wohl bedeutendste Unterschied zwischen klassischer Unternehmenskommunikation und der modernen Kommunikation erweitert um Social Media Elemente: Unternehmen oder deren Vertreter erreichen mit ihren Aktivitäten im Netz nicht mehr Millionen von Menschen auf einen Schlag wie es bei TV-Werbespots beispielsweise der Fall ist. Nein, sie müssen sich in kleineren Gruppen engagieren, sich teilweise mit einzelnen (potenziellen) Kunden kommunikativ auseinandersetzen. Das beginnt mit Zuhören, also zu verfolgen, was Nutzer sozialer Netzwerke über Unternehmen oder Marken sagen und geht weiter mit dem Ansprechen dieser Nutzer und im besten Fall endet es mit der Aktivierung des Nutzers als Multiplikator.
Spannend war die Frage - und an diesem Punkt war das Panel sich das einzige Mal uneinig - ob Agenturen über die Konzeptionierung und Entwicklung von Social Media Aktivitäten hinaus für das Unternehmen oder die Marke in Facebook-Gruppen oder beim Management des Twitter-Accounts tätig sein können. Da ich selbst für eine Agentur arbeite, wird meine Meinung dazu nicht überraschen: Ja, es ist möglich! Allerdings nur dann, wenn die für Social Media Aktivitäten notwendige Transparenz und Authentizität gewahrt bleibt. Im Klartext: Der Mitarbeiter einer Agentur muss in seinem Profil oder bei Twitter Bio eindeutig klarstellen, dass er nicht bei diesem Unternehmen angestellt ist, allerdings ausdrücklich dazu autorisiert ist, für dieses Unternehmen zu sprechen.
Fazit des Abends: Social Media basiert auf Gesprächen. Und Gesprächsbedarf besteht weiterhin bei vielen Marketing- und PR-Verantwortlichen beim Thema Social Media. Wer mit mir dazu sprechen will: Twitter, Facebook, Xing oder via Mail an christian.kucklick [at] komm-passion.de. Ich kann allerdings kein Feuerwerk versprechen, dafür aber erstmal eine sachliche Analyse der Potenziale im Bereich Social Media für Ihr Unternehmen.


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