Netzwerke nutzen vs Netzwerke gründen

IKEA ist im Bereich Social Media bislang positiv aufgefallen. Im vergangenen Jahr kreierten sie ein Facebook-Profil des Store Managers Gordon Gustavsson und statteten die Foto-Gallerie mit 12 Showrooms von IKEA aus. Wer auf den Fotos ein Produkt zuerst mit seinem Namen markierte, gewann es.

Jetzt hat IKEA wieder etwas Neues gestartet: Die IKEA Family. Ein soziales Netzwerk, in dem man sich sein eigenes Zimmer zusammenstellen kann. An diesem Netzwerk scheiden sich allerdings die Geister. Zunächst einmal kritisierten Twitterati wie @ognibeni, @Signal77 oder @we5, dass die Plattform auf Flash basiert ist und damit in Sachen Usability nicht den höchsten Komfort bietet.

Mir stellt sich allerdings die Frage, ob es überhaupt Sinn macht für ein Unternehmen, sein eigenes soziales Netzwerk zu gründen, anstatt bestehende soziale Netzwerke wie Facebook zu nutzen? Ich bin der Meinung, es ist ein schlechtes Instrument und hab darüber mit Hendric Rüsch alias @out_bug diskutiert. Da 140 Zeichen oft nicht ausreichen, um eine intensive Diskussion durchzuführen, haben wir verabedet, die Diskussion an dieser Stelle fortzuführen.

Warum glaube ich nicht an den Erfolg der IKEA Family? In ihrer ersten Kampagne hat IKEA noch - wie auch im obigen Video explizit erwähnt wird - auf das bestehende Netzwerk und die dortige Infrastruktur mit seinen Millionen Mitgliedern zurückgegriffen. Und darin liegt auch der größte Vorteil von bestehenden Netzwerken: Die Leute sind bereits da - und die alte Marketing-Regel, man müsse die Menschen dort abholen, wo sie sind, die insbesondere im Bereich Social Media gilt, kann auf diese Weise angewandt werden. Zudem erleben wir bei Facebook das Phänomen, dass dieses Netzwerk kontinuierlich wächst, derzeit über 6 Millionen Mitglieder in Deutschland hat und es das Netzwerk mit den größten Zuwachsraten ist. Darüber hinaus werden durch Statusmeldungen, Links, Apps oder sonstigen Kommentaren so viel Inhalte bzw. User Generated Content produziert wie in keinem anderen Netzwerk. Auch nicht zu unterschätzen ist, dass man durch Apps - denen Mitglieder zustimmen müssen - einen extrem großen Datensatz an persönlichen Informationen (potenzieller) Kunden erhält.

Beim Aufbau eines eigenen Netzwerks fallen zunächst einmal recht hohe Kosten an, die auch durch kontinuierliche Server- bzw. Datenbankpflege steigen. Zugegeben: Das wird IKEA nicht umbringen, sollte aber nicht unter den Teppich gekehrt werden. Die größte Schwierigkeit besteht allerdings darin, den Leuten mit der Plattform einen tatsächlichen Mehrwert zu bieten, der sie dazu bewegt, langfristig im Netzwerk aktiv zu sein und Inhalte zu generieren. Dabei betone ich langfristig, denn sicherlich wird es einige anziehen, die ihr eigenes Profil anlegen und ihre Wohnung dort einrichten. Ist das aber auch auf lange Sicht befriedigend? Nachdem ich einmal mein Zimmer eingerichtet hab, ist die größte Innovation dieses Netzwerks verpufft. Dann kommt es darauf an, dass die Mitglieder mit ihren Freunden regelmäßig in Kontakt stehen können. Aber haben sich auch alle Freunde, mit denen man sich austauschen möchte, registriert? Das bezweifel ich - das Gros wird weiterhin die bestehenden Netzwerke nutzen. Viele nutzen heute ohnehin schon mindestens zwei Netzwerke wie die VZs oder Facebook, dazu noch XING oder andere. Warum also ein weiteres Profil erstellen und eine neue Freundesliste aufbauen?

Auch das Argument, dass sich dort eine Special Interest Gruppe - also eine kleine Zielgruppe mit einem gemeinsamen Interessenfeld - bildet, halte ich für unrealistisch. Das klappt in meinen Augen bei ausgefallenen Hobbies, die nicht allzu viele aus dem eigenen Freundeskreis teilen, oder einer bestimmten Berufsgruppe, die sich über neue Trends oder Innovationen in ihrem Feld informieren und austauschen wollen. Ist das Einrichten einer Wohnung tatsächlich ein dauerhaftes Hobby? Falls tatsächlich dafür Potenzial besteht, kann ich mir nicht vorstellen, dass dies Massen anzieht. Und die Massen anzuziehen, kann nur der Anspruch von IKEA sein, da es keine kleine spezielle Zielgruppe hat (wie zum Beispiel ein Antiquitätenhandel), sondern eigentlich jeder, der Möbel, Küchen oder sonstigen Deko-Schnickaschnack benötigt, zur Zielgruppe bei IKEA gehört.

Ich bin also davon überzeugt, dass die IKEA Family kein Erfolg wird. Werde das verfolgen und lasse mich gern eines Besseren belehren, wenn in den nächsten Monaten Hunderttausende von Menschen beitreten werden und sich auch langfristig in diesem Netzwerk engagieren.